Dienstag, 30. Dezember 2008
In jedem Fall, vielleicht.
Irgendwann muss dem Menschen dann aufgefallen sein, dass es meist bei den guten Vorsätzen allein bleibt. Die Frage, wie lange es dauerte, bis dies ins Bewusstsein des Jeweiligen drang, ist nicht zu beantworten, aber ich vermute es dauerte genau ein Jahr. Und trotzdem stellt man sich und anderen alljährlich Ende Dezember wieder dieselbe Frage: Was sind meine/deine guten Vorsätze fürs neue Jahr?
Vielleicht das sich alles verändert und alles bleibt wie es ist. Eventuell doch mal ans Meer zu fahren. Gegebenenfalls neue Wege zu entdecken. Hoffentlich alte Kontakte wieder zu pflegen und neue hinzu zu gewinnen. Irgendetwas zu verändern, das bleibt.
Oder aber einfach nur: Weniger Irgendwann und Vielleicht, Hoffentlich und Eventuell und Aber zu sagen. Was würde allein das verändern? Vielleicht werden wir es sehen!
Bis dahin wünsche ich euch einen wunderbaren Start ins neue Jahr!!
Samstag, 13. Dezember 2008
Die Leiden des alten Herrn A.
Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Ich könnte jetzt auftrumpfen: Ich stand mit Josef A. und T. Koll auf einer Gästeliste (man stelle sich vor!) huhu!! Aber musste ich dort auch arbeiten :-) Also bleibt die Kirche schön wo sie ist und ich auch.
Es galt Filme aus und über die Wirtschaft auszuzeichnen so wie dem Nachwuchs zu huldigen. Es gab hervorragende Preisträgerfilme und eine gelungene Veranstaltung zu sehen. Leider hatte die Jury nicht die Vielfalt der Ausbildungsstätten (sprich: Filmhochschulen) im Blick, doch das schmälerte nicht die Qualität der Wettbewerbsbeiträge. Als sich der Vorhang hob, fielen sich zwei Kolleginnen von mir erleichtert in die Arme. Sie hatten die Verleihung zum Großteil organisiert. Kleine Kostprobe? "Nein... ich... nein in Chernos (Jobatey) Vertrag steht ausdrücklich drin... dass... nein... er möchte kein Make-up er... es steht im Vertrag er möchte keine Make-up bevor er..." Äh ja. Und so weiter.
Und wer (wie ich) dachte: Die armen Polizistinnen, wie sie da im Schnee rumstapfen und nichts zu tun haben!, der irrte. Als die Veranstaltung bereits fortgeschritten war, schritten plötzlich zwei der Leibwächter des Chefs einer großen Deutschen Bank die Treppe herunter, im festen Griff einen Mann im Smoking und mit Hut der es irgendwie geschafft hatte, sich einzuschleußen (oder einschleußen zu lassen). Eilends wurden seine Taschen durchsucht und ihr Innerstes nach Außen befördert. Die Polizistinnen freute es und uns Mitarbeiter auch. Augerollt auf dem glänzenden Boden des Foyers lag es, das Corpus Delicti. Keiner konnte sich ein Grinsen und ein geflüstertes "richtig so" verkneifen. Besagter Stein des heftigen Anstoßes war eine etwa zwei Meter mal zwei Meter große Flagge mit dem Konterfei des Hern A. darauf. Daneben stand in dicken Buchstaben: "Geld Macht Geil. Attac Region Stuttgart."
Sonntag, 30. November 2008
... und dreht sich.
Außen zig bunte Bildchen, die so herrlich verschwimmen, wenn man den Kreisel bewegt. Innen graues reflektierendes Metall. Mehr nicht.
Er bewegt sich auf der Stelle und rast weiter und dreht sich und dreht sich und es scheint, er hört nie auf sich auf der immer gleichen Stelle zu bewegen. Manchmal rutscht er ein paar wenige Millimeter nach links, nach rechts, aber es verändert sich nichts dabei.
Hoffnung ergreift den lauernden Betrachter, er möge anhalten, der Kreisel. Oder etwas anders tun. Er kann sich doch nicht immer nur drehen und drehen auf der selben Stelle in den immer gleichen bunten Farben, so unecht, und dabei nichts weiter tun, als sich auf einer Stelle zu bewegen. Und sonst nichts.
Er muss doch mal hüpfen. Geräusche von sich geben, außer diesem Surren und Brummen. Aus der Laufbahn springen und die Richtung ändern. Oder einem neuen Kreisel platz machen. Immer leiser werden bis er aufhört sich zu drehen und vom Tisch fallen.
Doch dieser Kreisel tut dies nicht. Er dreht einfach immer weiter. Er bringt nichts neues hervor. Er dreht und dreht in ewiger Unermüdlichkeit. Außen flirrend bunt. Innen grau in grau vor Tristess und Traurigkeit ob dieser verschwendeten Energie.
Donnerstag, 6. November 2008
Und. Zurück.
Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke sehe ich nichts als ziehende Landschaften aus überfüllten Zügen. Höre nichts als das Rollen meines Koffers, weil ich ihn Tag für Tag hinter mir herzog. Ein Kollege fragte mich: „Triffst du in der U-Bahn eigentlich jeden Tag auf dieselben Menschen? Was denken sie, wenn sie dich mit deinem roten Koffer sehen, welche Geschichte vermuten sie dahinter.“ Ehrlich, ich habe keine Ahnung und keine Zeit gehabt, eine Ahnung zu bekommen. Ich fühle die Panik, nicht zu wissen, wo ich die nächste Woche schlafen soll. Sehe Hostels, die Wohnungen von Kollegen, Gastfamilien, Bekannten. Sehe mich nie die vier Pullover auspacken, die für jeweils eine Arbeitswoche reichen müsen. Habe nie gekocht. Bin an U-Bahnfahrplänen gescheitert. Bin hier und nirgendwo gewesen.
Das ewige ermüdende Reisen im großen Stil ist für mich und mein Bankkonto fürs Erste vorbei. Selbst wenn ich müsste, ich würde mich auf meinen Koffer setzen, aufs Gleis, die Arme verschränken und schmollen. Ich will nicht mehr fahren, ich weigere mich, Nein!
Manchmal drehe ich den Kopf und sehe mich sitzen auf meinem Bett und für die Prüfungen lernen. Sind es wirklich erst zwei Monate die vergangen sind, seitdem diese Last des Uniabschlusses von mir genommen und jenes Jobangebot mir auferlegt wurde. Nicht, dass ich es selbst als Last empfinde, aber die Umstände wogen manchmal schwer.
Ich habe Freunde viel zu lange nicht gesprochen, nicht gesehen. Hatte nie Zeit nach oben zu blicken und mich zu freuen über irgendwas oder irgendwen. Bin nur gestolpert zwischen Welten, der Alten, dem Abschied, der Neuen, so fremd.
Jetzt gibt es eine neue Wohnung. Eine neue Adresse, neue Nummern, zwanzig neu gedruckte Karten für alles und nichts. Bin wieder on line und on top. Habe wieder mein Bett und den richtigen Menschen darin und bin wieder warm und aufgehoben. Habe keine Ängste mehr vor der zurasenden Zukunft, alles scheint so geklärt und abgehakt. aber ich hinke immer noch etwas hinterher und muss erst mal schauen und muss erstmal fühlen und den Kopf heben und sehen. Wo bin ich? Habe ich alles noch da, nichts verloren?
Am Wochenende werde ich hoffentlich meine letzten Kisten auspacken. Nach den letzten Wochen kann ich die Worte Um und Zug nicht mehr hören. Will nur noch morgends in der S-Bahn sitzen und ein Buch lesen. Will nur noch auf Arbeit gehen mit einer leichten kleinen Tasche. Will abends nach Hause zu ihr oder in ein Café. Will Leute und die Umgebung kennen lernen. Will keinen Stress mehr und Ruhe, wenn ich sie will. Endlich scheint all dies nicht mehr nur ein Traum, weit entfernt. Es scheint so greifbar, dass ich fassungslos hineinblicke in diese neue alte Leben.
Donnerstag, 14. August 2008
Das Ziel vor lauter Schildern...
Montag, 21. Juli 2008
"Jede Liebe hat recht."*
Nach der Prüfung am Mittwoch und dem Lern- und Arbeitspensum der vergangenen Wochen habe ich mir 4 Tage Zwangsulaub auferlegt. Keine Bücher, möglichst wenig Stress, die letzte Schicht am Freitag absolviert und dann rein ins Wochenende. Der Zeitpunkt dazu traf sich besonders gut, da meine Freundin und ich am Sonntag vor zwei Jahren zusammen gekommen sind und dies gemeinsam feiern wollten. Vor allem aber verlangte es uns nach einem Tapetenwechsel, raus hier, weg hier, einmal mit dem Finger auf die deutsche Landkarte getippt und ein kleines süßes Hotel in Frankfurt/Main gebucht. Samstag morgen, sieben Uhr gings endlich los.
Frankfurt, Frankfurt... eine Stadt wie so viele, laut, hektisch, dreckig, bunt, schwarz, multikulti und doch mit einem gewissen Etwas. Sie überrascht, diese Stadt, mit dem Mix aus Economy und Tradition, riesigen, verglasten, funkelnden Skycrapers, Banken, Chanels und Escadas auf der einen, winzigen Fachwerkhäusern,Stuckversaden, Putten und bedeutenden uralten Kirchen auf der anderen Seite. Man läuft durch eine Gasse und schaut links und schaut rechts und überbrückt mit einer Bewegung seines Kopfes fünf Jahrhunderte. Und es funktioniert. Die Frankfurter lieben ihre Stadt. Nicht so verbissen, wie die Bayern die ihren, sondern versteckt und leise und doch unübersehbar.
Neben Shoppingtouren, Stadtbesichtigungen, diversen Wolkenbrüchen, dem in Regenbogenfarben beflaggtem Römer, der Übernachtung in einem Himmelbetttraum und gutem Essen war der Samstagabend mein definitives Highlight und eines, was ich so schnell nicht vergessen werde. Inmitten der Innenstadt, auf dem Dach der Zeilgalerie, fand zum 19. CSD eine "women only" Party statt, wie es sie so schnell wohl nicht wieder geben wird. Riesige, geschwungene Räume mit orientalischen Lampen und langen, aus dunkelbraunem Holz gefertiggten Bars gingen, durch meterlange Glaswände gesäumt, ineinander über. An den Wänden hingen große Leinwände und vier DJs sorgten für Musik. Es gab Raucherlounges, Shots und kleine, mit orientalischen Sofas und Lampen bestückte Ruhezonen. Und dann war da noch die Treppe hinauf aufs Dach. Die frische Abendluft schlug einem entgegen und dann stand man mittendrin, im rauschenden Nachtleben Frankfurts, nur nicht im Tumult der Nachtschwärmer sondern 60m über der Erde. Die angestrahlten Skycrapers waren zum Greifen nahe, wie sie dort in den Himmel ragten, über ihnen die rasenden Wolken, um sie herum die leuchtenden Kirchen, Banken und Einkaufsmeilen. Ihr Anblick verschlug mit wirklich kurz die Sprache. Und zwar buchstäblich. Es gab eine riesige Dachterasse mit Bar und Tanzflächen und über allem wehte riesengroß und unermüdlich die Regenbogenflagge. Sie steht für sich selbst, sie spricht für sich selbst und all die verzückten Menschen an diesem Abend, in dieser Zeit, bilden nur ihr Fundament.
Noch heute morgen, als ich, längst wieder zurück gekehrt, aufwachte, galten meine ersten Gedanken dem Rausch der Bilder und Eindrücke, des vergangenen Wochnenendes. Frankfurt ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass auch in scheinbar so vertrauten Dingen immer noch etwas Unentdecktes darauf wartet, dass jemand kommt, es erblickt und mit sich mitnimmt. Und anderen davon erzählt.
*Die hessichen Grünen
Sonntag, 15. Juni 2008
Mittwoch, 28. Mai 2008
Aus Mangel an Alternativen
Sonntag, 18. Mai 2008
Der alltägliche Wahn-Sinn
Wie dem auch sei, ich schaffe es im Moment nicht, mich zu motivieren und das frustriert mich ungemein. Deshalb werde ich mir einen Stundenplan erstellen, um all dies zu schaffen. Denn noch stehen die Themen für die Hauptfach-Prüfungen nicht und ich hadere mit mir selbst und den Wegen, die zu beschreiten in den nächsten Monaten nötig sind.
Vielleicht muss ich mir auch nur mehr Anreize schaffen. Es liegt nämlich nicht an Desinteresse und Unwille am Lernen. Das zumindest kann ich sicher sagen. Es liegt am Zeit-Management und manchmal auch an mangelnder Konzentration in Anbetracht zu vieler verfühererischer Ablenkungsmanöver von Seiten des laufenden PCs (Ausschalten!), Freunden (Stark bleiben!) und Partnerschaft (Doppelt stark bleiben!).
Ich werde also zu aller erst über das Lernen lernen müssen. Wat mut, dat mut.
In diesem Sinne: tie yourself and go on!
Montag, 28. April 2008
The established non-established
Ich bin zurück aus Dresden, der Schönen. Aus Dresden-Neustadt, der Kinderfreundlichen, Lauten, Bunten, Deckigen. So unglaublich politisch korrekt, so wahnsinnig anziehend unanziehend. Kaum ist man da, will man wieder weg und umgekehrt. Doch nie schließt sich der Kreis.
Ich bin zurück vom Frönen des kurzen Filmes, vom Sich-Zeigen-Lassen, vom Warten auf Chancen und Zukunftsmusik. Zurück vom Dresdner Filmfest. Das Filmfest, hach, mit seinen Eitelkeiten und Arte-Praktikanten (ooohh), deren Namen niemand kennt. Ach ja, die Filme... die Auswahl: nett, aber bis auf "Miss Tutli-Putli" nichts Neues, nichts Aufregendes---
Samstag wurde es spannend. AG-Kurzfilm-Mitgliederversammlung (http://www.ag-kurzfilm.de/), neuer Vorstand, neue Ideen, neue Tourneen. Zustand: Half-established mit geröteten Wangen.
Abends dann die Preisverleihung. Robin. Liebeskrank. Nichts welt-bewegendes. Ein Privater Frühstücksmoderator als der Flop des Tages und als neuer Freund einer bekannten MTV Moderatorin, die zum ersten Mal einen Kurzfilm sah. Aber psst---
Im Anschluss: Party. Kleine live-Band, viel blabla und Schultergeklopfe. Die Szene ist klein aber magisch, man will---. Tja. Ich stand gedrängt und klopfte Schultern und schüttelte Hände und umarmte und lächelte und sah. Zustand: established non-established.
Ich weiß da ist ein Platz frei und die Zeit wird kommen. Ich weiß alles spricht dafür. Doch es schaudert mich ein wenig zuzupacken. Ja, ja---
Am nächsten Tage Best-ofs und ich verließ sie wieder, die Schöne.
Zurück bleibt die politische Korrektheit und all die Freunde dort. Ein kleines bisschen Traurigkeit und Angst.
Doch die heile Welt dieser Stadt hier will mich noch ein wenig halten.
In diesem Sinne: establish on!
Dienstag, 8. April 2008
Ellen moves!
In diesem Sinne: Ellen move on!
Mittwoch, 19. März 2008
"Mei, die häng i mir an die Wand!"
Kassieren macht Spaß. BHs aufhängen, Schlüpfer sortieren, heraus zu finden, warum man manche Baumwollartikel bei 40 und andere bei 60 Grad wäscht auch. Und sicher kann man dabei einiges fürs Leben lernen. Nur manchmal ist der Umgang mit den Kunden, mit einigen speziellen Kunden wohlgemerkt, etwas ... an der Grenze zwischen 08/15 Verkäufer-Käufer-Moment und Gesprächen, wie man sie eigentlich eher mit Ärzten oder Therapeuten führt ... will heißen: Privat. Geheim. Vertraulich. Manchmal werden diese Grenzen aufgehoben. Und dann sind die Berufsbilder von Einzelhandelskauffrauen und Sozialpädagoginnen (bzw. Einzelhandelskaufmännern und Sozialpädagogen) gar nicht mehr so weit voneinadner entfernt.
Da fällt mir spontan die Begegnung mit einem älteren Herren ein. Er war unverkennbar ein Franke, leicht schüchtern und er kaufte eine Schürze. Ein türkis-weiß gemusterte Damenschürze. Hätte er nichts weiter dazu gesagt, hätte er einfach seine Schürze bezahlt und genommen, ich hätte mir so gar nichts dabei gedacht. Hätte. Die Farbe sei aber schön, murmelte er und spielte dabei auf das Türkis der Schürze an. Er kaufe sich gerade alles in dieser Farbe und finde die ganz toll! Und überhaupt: Sei das eigentlich eine Einheitsgröße? Auf meine Bejahung und die Anregung, sie doch einmal anzuhalten, ob sie passe, meinte er nur: Ach neee, die sei nur zur Dekoration: "Mei, die häng i mir an die Wand!". Dasselbe habe er auch schon mit einem Kleid (?) getan und das sei super angekommen. Okay.
Zwei Tage später steht dersselbe Kunde wieder vor mir. Seine Ware: Eben jene türkis-weiß gemusterte Damenschürze. 1:1. Ich war baff. Ob das eine Einheitsgröße sei, begrüßte er mich. Ojee.. Ja, das sei es, antworte ich. Bevor ich noch weiter gesprochen hatte meinte er (wie um meiner Anregung vom letzten Male vorzubeugen): Eh egal, die sei für eine weibliche Bekannte. "Und wenn die Weiber zu fett san, müssens halt abnehm´, so aanfach, is des!" Worauf ich mir auf die Lippen biss, ihm das Wechselgeld geräuschvoll auf den Tresen legte und mir das "Schönen Tag noch!" merklich verkniff.
Selbst schuld, dachte ich mir am Abend, als ich meinen Freunden davon erzählte und wir gemeinsam darüber sannen, was wohl der tatsächliche Anlass für die Schürzeneinkäufe gewesen sein mochte. Selbst schuld, dass er immer ein Gespräch anfängt und sich darin verhaspelt, statt einfach zu zahlen und wieder zu gehen. Selbst schuld, dass er immer in meiner Schicht kommt. Und selbst schuld, dass er alles toppen musste, als er in der Woche darauf ein drittes Mal am Tresen erschien und wieder diesselbe Schürze gleich in zweifacher Ausführung kaufte (diesmal jedoch ohne Kommentar). Selbst schuld: Nun hat er zwar mindest 4 türkis-weiß gemusterte Damenschürzen, ist aber nun Gegenstand meines Blogeintrages.
Dann wäre da noch Frau D. Frau D. verfügt über eine äußerst lautstark zu bezeichnende Stimme gerne und belästigt ihre Mitmenschen damit aus Leidenschaft. Sie meint, dass sei gottgegeben. Tobende Jugendliche sind ihr ein Gräuel. Schwarze Pullover erst! (Schwarz ist die Farbe des Bösen und nicht gottgewollt.) Ausländer, pardon, Menschen mit Migrationshintergrund auch. Dies wäre endlos fort zu führen. Doch eines steht sicher im oberen Drittel ihrer Liste: Kassiererinnen.
Ich bediente gerade eine Kunde, da ertönte aus einer hinteren Ecke des Kaufhauses ihr Geschrei. Wie gesagt, sie schimpft auf alles und jeden, bezeichnet sich als Kind Gottes, das den wahren Weg kenne und auf Erden leidet, um später einmal erlöst zu werden. Keiner könne sie vom wahren Wege abbringen und wehe dem, der es zu versuchen droht! So weit, so unter "Privatangelegenheiten anderer Menschen" abzubuchen. Nur kam ich durch ihr plötzlich aufflammendes Gebrüll ganz schön in Konzentrationsschwierigkeiten. Ich schaffte es gerade noch, einer Kundin den richtigen Wechselgeldbetrag auszuzahlen, da sah ich im Augenwinkel, dass sie sich an meiner Kasse anstellte. "Himmel!", dachte ich, und dieser Gedanke hätte ihr sicher gefallen. Zum Glück stand eine Kollegin neben mir und gab mir im wahrsten Sinne Rückendeckung.
Die hatte ich auch bitter nötig, wie sich heraus stellte. Denn während meine Kollegin die Frau mit Beschwichtigungen wie: "Frau D., bitte beruhigen Sie sich und hören Sie auf, die Kunden weiter zu belästigen" zu mäßigen versuchte, beging ich einen Fehler: Ich verwechselte ihren Stoffbeutel, den sie gerade einzustecken versuchte, mit einem der Hemden von unseren Wühltischen. Ich spürte schon die ersten Aschebrösel, die sich auf mein Haupt ergossen noch bevor mich ihre giftige Augen trafen. Sie flippte komplett aus, schmiss ihre Taschen auf den Tresen und forderte mich auf, den "Beweis für ihre Sünde" zu erbringen. "WELCHES HEMD??" Auweia.
Trotz mehrmaliger Entschuldigen und Erklärungsversuche: Es half nicht. Sie begann am Ende bitterlich und mitleidheischend zu weinen und als auch das nichts half giftete sie mich an. Ich hätte ein ganzes schlechtes Karma und sei ein ganz schlechter Mensch. Sie als Kind Gottes würde doch schon genug leiden auf Erden, aber dass ich sie zum Weinen brächte, dass wäre zu viel. Von mir würde sie sich nicht mehr bedienen lassen. Meine Kollegin, die vergeblich versuchte, die Frau zu beruhigen, atmete schon erleichtert auf in der Hoffnung, Frau D. nun für immer los zu sein. Doch Fehlanzeige. Von nun an, so Frau D., würde Sie sich nur noch von meiner Kollegin bedienen lassen wollen.... Na prima.
Am Ende tauchte sie noch geschlagene weitere drei Mal auf um sich zu beschweren und uns, inszwischen war die gesamte Abteilung mit einbezogen, davor zu warnen, sie vom rechten Wege abbringen zu wollen. Das würde nämlich nicht gelingen. Selbst die Drohungen anderer Kollgen, sie würde mit ihrem Verhalten noch in der buchstäblichen Hölle landen, prallten von ihr ab. Als sie endlich ging war ich fix und fertig und innerlich aufgewühlt. Nun weiß ich, wie es sich anfühlt wenn man innerlich zittert und gleichzeitig permanent halb-hysterisch grinsen muss.
Nach all diesen Erfahrungen in so kurzer Zeit und in stäniger Erwartung, Frau D.´s schrille Stimme wieder zu vernehmen oder wieder eine dieser türkis-weiß gemusterten Damenschürzen verkaufen zu müssen, dachte ich bei mir: Eigentlich fehlt jetzt nur noch jemand mit offensichtlich zur Schau gestellten körperlichen Leiden. Entgegen Frau D.´s Karmaanalysen meinerseits muss ich doch einen ganz pasablen Draht nach oben haben, denn dieser Wunsch wurde mir glatt erfüllt. Es erschien mir so zu sagen eine Mitt-Fünfzigerin mit Unterwäsche-Tick, die mich offen fragte, welche Art Unterwäsche man bei einen Pilzinfektion zu empfehlen wüsste (denn unter eben jener leide sie, nachdem sie kürzlich ihre Ernäherung - die zuvor nur aus Cappuccino und Schokolade bestanden habe - umgestellt hätte). Cool bleiben, neutral, höflich, distanziert, mahnte ich mich. Alles in Ordnung. Nun, am Besten kochbare, war mein Tipp. Nein, dass hätte ich nicht tun sollen. Ich hätte nicht anfangen sollen, sie zu beraten. Denn damit begnügte sie sich nicht, sondern begann mich ohne Ende zu löchern..... Kurz: Es wurde ein laaanger Abend. Ich musste mich mit zutraulichen Fragen abfinden, musste sie in aller Höflichkeit zurecht weisen, dass es sie nichts anginge, welche Art von Unterwäsche ich trage und ich lernte den Unterschied zwischen Baumwolle, die man bei 40° und jener die man bei 60° kocht...
Ich weiß nicht, ob all diese Sachen Zufall waren. Eigentlich glaube ich es nicht. Sicherlich enthalten all diese Begegnungen eine Essenz, die ich noch nicht ganz abgefiltert habe. Es war amüsant, dass muss ich zugeben. Zumindest hinterher. Und natürlich begegnet man jeder Menge anderer Menschen, von deren Schicksalen und privaten Zuständen man ein wenig mitbekommt. Da sind lustige kleine Anekdoten darunter, aber auch traurige. Und es war wirklich interessant, dieser Ausflug ins Verkäuferdasein. So interessant, dass ich nun öfter dort arbeiten werde... Denn es ist nett, mit Menschen in Kontakt zu kommen, wenn dieser Kon-takt auch manchmal etwas weniger intensiv ausfallen könnte. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel und ehrlich - dass ist doch auch ganz gut so.
In diesem Sinne: Baumwolle on!
Dienstag, 18. März 2008
Freitag, 7. März 2008
Kommt, lasst uns streiken!
In Berlin geht bereits jetzt kaum noch etwas. Die BVG streikt und so gut wie alle U-Bahnen, Tramen und Busse stehen still. Schon jetzt muss immer wieder die Polizei anrücken um die Menschenmassen zu beruhigen und ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie sich doch noch in die überfüllten Ersatzbusse quetschen können.
Wie vor wenigen Minuten berichtet wurde, sind die Verhandlungsgespräche der GDL mit Transnet und der GBDA geplatzt. Damit stehen die Chancen denkbar schlecht, dass es noch vor dem Beginn der angekündigten Streikwelle der Lokführer am Montag zu einer Einigung zwischen der Bahn und der GDL kommen wird.
Im öffentlichen Dienst wird kräftigt gestreikt und nun müssen gar Schlichter hinzugezogen werden. Sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen droht Verdi ab April mit massiven bundesweiten Streiks.
Und was ruft es aus der SPD? Streik der (hellrot-hessischen) Genossen! Ypsilanti am Ende! Beck in Erklärungsnot! Ojeoje....
Jahrelang haben wir ins dauerstreikende Frankreich geblickt und die aufständigen Massen in Paris, Marseille und Clermont-Ferrand mit zweierlei Augenmaß betrachtet: Kopfschüttelnd, lief es bei uns in Deutschland recht fluppig. Neidvoll, versuchten sich einige Gewerkschaften an Streikaufrufen und kaum ein Arbeitnehmer wollte sie, sei es aus angst um den Arbeitsplatz, Resignation oder Streikmüdigkeit, wirklich hören.
Deutschland war nie ein Streik-Land gewesen. "Uns geht es halt immer noch vergleichsweise zu gut" war da immer mal wieder zu hören. "Was sollen wir streiken, das bringt doch eh´ nichts" lautete ein weiteres Statement, warum es mit dem organisierten Streik einfach nicht recht klappen wollte. Während in Frankreich oder Italien zu Streikzeiten nichts mehr ging, bemerkten deutsche Verbraucher oder Kunden kaum auch nur den Hauch einer Streikbewegung. "Wir streiken!" - Ach ja?
Diese Haltung scheint sich in den letzten Wochen und Monaten zu verändern. Ein Ruck geht durch deutsche Arbeitnehmerverbände und Gewerkschaften. Was der Schell kann, können wir das nicht auch? Denn: Wird ein Weg gefunden, Wirtschaftszweige zu blockieren, weht es stürmisch in Politik und Wirtschaft. Druck entsteht, der Streik müsse abgewendet oder schnellstmöglich beigelegt werden. Die Deutschen bemerken: Streik bewegt. Man muss sich doch nicht alles bieten lassen. Gewerkschaften haben tatsächlich Sinn!
Im Falle von der Ypsilanti Andrea sägen streikende Parteigenossen am roten-roten Stuhl. Die SPD steckt mitten im Chaos und muss sich neu formieren. Welche Rolle die Linke dabei spielen wird bleibt abzuwarten, aber sie ist sicherlich einer der politischen Gewinner jener streikenden Partei, die nicht mit ihnen will aber nicht ohne sie kann..
Ich streike, du streikst, alle streiken? Na, das vielleicht noch nicht. Aber die stetigen Meldungen über streikende Firmen und Branchen werden sicherlich ein Umdenken in deutschen Betrieben bewirken. Kommt, lasst uns streiken!
In diesem Sinne, streik on!
Donnerstag, 28. Februar 2008
---OHNE WORTE---
*http://www.ftd.de/karriere_management/rezensionen/:Wirtschaftsbücher
Dienstag, 19. Februar 2008
Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten.
Das gemütliche Flanieren durch die Geschäfte und Straßen fiel schwer, da sich ein Parteistand an den anderen reihte und vor und hinter jedem Stand ein Truppe Wahlkampfhelfer und "Listen-"Gesichter Flyer verteilte und Gespräche mit potentiellen Wählern suchten. In all dem Trubel um SDP und FDP und die Freien Wähler fiel mir ein Stand ins Auge: Der der "Republikaner". Allein der Parteiname ließ mich kurz stutzen; man kann sich meine ungläubige Miene vorstellen, als ich das Wahlplakat dieser Partei erblickte. Darauf stand in weißen Lettern: "Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten. Deshalb wählen Sie blau. Die Republikaner." Ich musste schlecht träumen. Das konnte doch nicht wahr sein! Mit offenem Mund stand ich davor und dachte bei mir, dass es doch unmöglich echt sein konnte, dieses Plakat. Der graumelierte Flyermann, der vor dem Stand auf und ab ging, um seine Programm vielen ahnungslosen Menschen in die Hand zu drücken, sah meine Verwunderung. Ich schüttelte lautstrak den Kopf und meinte wieder nur diesen einen Satz meiner Gedanken: "Das kann doch nicht wahr sein!". Darauf sah er mich ganz verdutzt an, und bot mir klugerweise keinen Flyer an. Klugerweise.
Doch es ist wahr. Und diese fremdenfeindliche Wahlparole um Indianer, Einwanderer und Reservate ist wahrlich nicht neu. Ein Blick ins Internet verriet mir mehr: Zuerst ist diese Parole wohl in Österreich aufgetaucht. Schon 2003 warb die niederösterreichische "Sozialistische Jugend" damit.* Und der österreichische "Ring Freiheitlicher Jugend" druckte und beklebte ein Jahr später unzählige Masten, Laternenpfähle und freie Flächen in den Gebieten um Salzburg, Wien und der Steiermark mit Aufklebern, auf denen dieser Spruch zu lesen war.**
Im September 2007 wurde von einer östereichischen Abgeordenten ein Entschließungsantrag eingebracht, der auf ausländerfeindliche Aktivitäten und Forderungen seitens des RFJ hinwies und die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend dazu aufforderte, an den RFJ gewährte Förderungen zurückzuordern und von weiteren Förderungen Abstand zu nehmen.***
2006 schwang auch in Deutschland ein bekannter Politiker große Reden über eine deutsche "Leitkultur", "Stolz" und "Indianer": Oberhäuptling und nun wohl ehemaliger 2. Mann der CDU hinter Frau Merkel: der hessische Quasiministerpräsident Roland Koch. Spiegel online zitierte Koch folgendermaßen: "Deutschland sei kein Einwanderungsland wie Amerika, wo von der ursprünglichen Kultur der Indianer 'nichts mehr übrig' sei. 'Man könnte einfach sagen: Wir sind mehr als die Indianer', schlussfolgerte Koch."**** Dabei bediente er sich näher dem Parteiprogramm der sächsischen NDP (und ihren östereichischen Freunden), als ihm vielleicht in diesem Moment bewusst war. Natürlich folgte Kochs Rede prompt eine scharfe Kritik seitens der hessischen Opposition. Sein Glück war allerdings, dass seine Rede kaum durch die Medien verbreitet wurde und nur wenige Menschen außerhalb Hessens etwas davon erfuhren.
Dass es neben links und Mitte auch noch ein Rechts gibt ist allgemein bekannt. Auch das jedem Menschen laut dem Grundgesetz freie Meinungsäußerung zugestanden wird. Und jedem meint jedem. Auch wenn sich Gruppen, denen die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Menschen gerne den Mund verbieten würde, zu bestimmten Themen äußern, die von ihnen besser unkommentiert blieben. Hier erschließt sich ein Konflikt: Freie Meinungsäußerung versus ausländerfeindliche Parolen. Und letzteres ist strafbar. Glücklicherweise.
Für die anstehenden Kommunalwahlen im "Tor zur fränkischen Schweiz" bleibt zu wünschen, dass möglichst wenige Menschen ihr Kreuzchen den "Blauen" geben. Und die Wahlplakte der Republikaner bald schon im Altpapier landen. Damit nach deren Recyclung wieder etwas wirklich nützliches darauf entstehen kann. Vielleicht eine weiße Taube. Oder schärfere Gesetzte gegen Diskriminierung, die auch im Alltag greifen.
In diesem Sinne: vote it out!
* http://www.wno.org/newpages/lch20.html
** http://no-racism.net/article/923/
*** http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIII/A/A_00367/fnameorig_087479.html
**** http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418605,00.html
Mittwoch, 6. Februar 2008
Post-Magisterarbeit
Stattdessen war ich so müde und überarbeitet, dass ich mich mit Ach und Krach nach Hause geschleppt habe und nur noch ins Bett gefallen bin. Sonnenschein? Eher wolkenverhangen, mein Himmel, und träääge.
Tja, jetzt, wo ich den Post überarbeite, sind ein paar Tage vergangen seitdem (genauer gesagt 2) und was ist geschehen? Muss ich mich noch immer kneifen? Setzte ich mich instinktiv an den PC, schalte ihn an, nur um zu sehen, dass schon alles getippselt wurde? Keine Korrekturen? Keine Panikattacken mehr? Und bis zu den Prüfungen ist es auch "noch" ein halbes Jahr....
Ich habe mir nun also eine Liste erstellt. Soweit musste es kommen. Ich habe mir eine Liste erstellt. Und darauf geschrieben, wie ich meine, nun freie, Zeit in ferner Zukunft zu planen gedenke. Darauf stehen so leicht zu vergessende Sachen wie Jobsuchen. Bewerbungen schreiben. Aufräumen (schon abgehakt, puh...). Nach Berlin fahren und Freiheit schnuppern.... Braucht es dafür Worte? Und schon gar Listen? Wahrscheinlich wir die freie Zeit eh ganz schnell vorbei gehen!
Jetzt heißt es erst einmal, runter kommen und Schlaf nachholen. Und Konzertina spielen, denn über die Konzertina handelte meine Arbeit und so bleibt mir ein Teil jener erhalten. Hätte mich nicht im letzten Moment noch die Muse geküsst, wäre ich nie auf dieses wundervolle, vom Aussterben bedrohten Instrument gestoßen und hätte es sogar spielen gelernt.
Während also viele meiner Freunde ihre Arbeit einfach nur abgeben, sie nicht einmal ein eigenes Exemplar davon für sich selbst drucken lassen, streiche ich zärtlich über mein Instrument und freue mich. Über die Klänge, die es hervorbringt. Über die Liste, der es aus unerfindlichen Gründen bedurfte, um einen Geschmack meiner neuen Freiheit zu bekommen. Über den Sonnenschein.
In diesem Sinne, list on!
Montag, 4. Februar 2008
Alaaf! Helau! ...Ääh... FRANKONIA!!
Ach, es ist doch Faschingszeit, sicher gibt es doch eine Faschingsparty mit lustiger Musik, schunkelnden Menschen und endlich, eendlich kann man das vor 3 Jahren gekaufte und nie getragene Kostüm aus den Tiefen des Kleiderschranks ans Tageslicht zerren! Und tatsächlich!Helau! Alaaf! Wasauchimmer!
Als Zugereister merkt man schnell die kleinen Niedlichkeiten (Ober-)Frankens. Regel Nr. 1: 'Haste keine Feste, mach dir welche!' Deshalb wird (zumindest im Sommer) jedes Wochenende ein anderes Fest veranstaltet: Da gibt Marathone mit Blasmusik und Bierbänken, Straßenzirkusse mit Blasmusik und Bierbänken, Live-Übertragungen aller Sportivitäten mit Blasmusik und Bierbänken und natürlich hat jede Straße auch ihr ganz eigenes persönliches intimives Fest mit Blasmusik. Und Bierbänken.
Zur Faschingszeit ist das nicht anders. Nur ist es zu kalt für Bierbänke... Also werden an Faschingsdienstag einfach alle Läden der Innenstadt ab 12 Uhr geschlossen. In meinem ersten Jahr hier, flog ich deshalb auch schnurstraks aus einem großen Kaufhaus heraus. Ehe ich mich noch versah, stand ich auf der Straße ... um mich im nächsten Moment inmitten einer Horde toll gewordener Franken wiederzufinden. Die Biene Maja .. oder war das nicht die Drogeriefachangestellte? Den Teufel da kenn ich... mein Busfahrer!! Ja, so läuft das. Haste keine Feste...
Nach vierjähriger Verweigerung und dem Umzug vom Zentrum in den Norden der Stadt blieb mir also an diesem Samstagabend Anfang Februar in einer mittleren Stadt Frankens nichts anderes übrig, als den Fasching hier zu feiern, mich treiben und überzeugen zu lassen. Der Protest hatte ein Ende, ich war besiegt.
Im Hexenkostüm mit Schnürkorsett und aufgemalter Warze gings also rein ins Auto, raus aus der Tiefgarage und ab in die Kneipe, die heute keine Kneipe war. Stattdessen verlangte der Wirt Eintritt (ohoo! Ein Qualitätsmerkmal...oder eher Quantitätsangelegen... naja egal) und die Stühle und Tische mussten einer tanzwütigen Menge weichen. Kaum hatte man sich in die Mitte des Raumes durchgequetscht (und den Eintrittspreisschock überwunden) kam die große Überraschung: Es war Fasching und keiner war verkleidet! Ich war fast peinlich berührt... das Hexenkostüm.. das Schnürkorsett.. die aufgemalte Warze!! Alle starrten und ich war fassungslos! Und von wegen Schunkelmusik... Die einzige Zeit im Jahr, in der man die Musik DJ Ötzis und seiner Freunde gerne mitgrölt ist doch JETZT!?! Man WILL doch gerade solche Art von Musik hören (auch wenns natürlich keiner ausspricht)! Alle WOLLEN DOCH Polonaise, spärlich bekleidete Friseusen und Nelken im Knopfloch die nicht zum Hemd passen... Doch Fehlanzeige. Die Menge tanzte zu Blur und Wir-klingen-wie-Blur-und-sinds-doch-nicht und Wir-möchten-wie-Blur-klingen-doch-schaffens-einfach-nicht. Und ich mit meiner aufgemalten Warze...
Immerhin, der Abend war kurz doch hoch interessant. Denn sicherlich ist keinem, der dabei gewesen ist, auch nur irgendetwas komisch vorgekommen. Verrückt. ENTrückt. Nein, sicher nicht! Denn SO feiert man Fasching nun einmal in Franken. Mit Jeans und T-Shirt und Diskos die eigentlich Kneipen sind und Eintritt, der keinen Bedarf, und Blur. Ich habe es vorher einfach nicht besser gewusst. Deshalb bin ICH diejenige, der alles irgendwie komisch und verrückt vorkam. Ich hatte falsche Vorstellungen, falsche Erwartungen und es war höchste Zeit, damit aufzuräumen. Fasching ist kein Fest der Franken. Es gibt nicht einmal ein Wort, dass man hier schreit wie "Alaaf" in Köln oder "Helau" in Mainz. Es wurde adoptiert, so dass wildgewordene Horden morgen durch die Straßen strömen können und alle Geschäfte schließen und kein Bus mehr fahren wird. Fasching ist KEIN Fest der Franken! Doch leider weiß das die 10. Generation der Franken nicht mehr...
Deshalb bleibt ein Vorsatz: Nächstes Jahr gehts nach Kölle! Und daaannnn....
In diesem Sinne: Kamelle on!
Donnerstag, 31. Januar 2008
Ein (weißer) Held im weißen Haus?*
Auf Letzteren scheinen sich die republikanischen Politiker und deren Freunde wohl gerade einzuschießen: Nicht nur Giuliani selbst stellt sich nun auf die Seite von McCain und bezeichnete ihn neulich als den qualifiziertesten Mann im Wahlkampf: "Er ist ein Held, und Amerika braucht einen Helden im Weißen Haus" [Quelle*] Hallelujah. Es wird nicht nur Schweiß, sondern auch Patriotismus geschwitzt in diesen Tagen jenseits des Atlantiks. Auch der amtierende kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat sich schnell noch vor dem "Super Tuesday" auf die Seite McCains gestellt.
Bleibt die Frage, Republikaner hin oder her, aber wer ist eigentlich.....
->->->John McCain?? <-<-<-
Ein Blick in die zwielichtigen Wikipedia-Welten gewährt dem Unwissenden eine kleine Einsicht in die Ansichten und Positionen des John Mäc C. Besser setzt man sich als aufgeklärter, am Weltgeschehen interessierter Durchschnittseuropäer dabei hin:
- Befürworter des Irakkrieges; Kritik an der Irak-Strategie Bushs, allerdings wurden seiner Meinung nach zu wenig Soldaten im Irak stationiert
- eine militärische Option gegen den Iran schließt er, in letzter Instanz, nicht aus
- erklärter Abtreibungsgegner, fordert Abkehr vom Recht auf Schwangerschaftsabbruch
- Vertreter eines traditionell-konservativen Familienbildes, lehnt insbesondere die Ehe unter gleichgeschlechtlichen Partnern ab
- Waffenlobbiest, tritt gegen Beschränkungen des Tragens, Erwerbs, Verkaufs von Schusswaffen ein [Quelle**]
Uiuiui. Ist es der Mehrheit der amerikanischen Wählern wirklich daran gelegen, nach über 7 Jahren Stillstand und herbeigezogenen Ausgaben der "Rede an die Nation" das "Werk" des George Bushs weiterzuführen? Noch schüttelt man leichtgläubig den Kopf, 'ach Quatsch, so hinters Lichtlein zu führen sind die Amis doch nicht'! Aber das hat 2002 um diese Zeit auch jeder im Alten Europa gedacht und trotzdem wurde Bush für eine 2. Amtszeit gewählt. Dies natürlich auch, weil sich das amerikansiche Wahlvolk aus teilweise anderen Interessensgruppen zusammensetzt, als das in Mitteleuropa der Fall ist.
Das + auf der Liste McCains:
Er macht sich für Sozialprogramme stark, ist Befürworter einer liberalen Einwanderungspoltik und (aus persönlichen Gründen) Gegner der Folter. [Quelle**]
Fragt sich welche Positionen schwerer wiegen.
Natürlich ist es noch ein weiter Weg bis Novemer und es kann noch viel passieren. Alle Kandidaten brauchen weiterhin eigene Kraft, viel Unterstützung (wie es scheint weniger von Otto Normalbürger als von politischen Kammeraden und der Medienöffentlichkeit) und Geld, das nicht zu fließen aufhört.
Es bleibt also spannend.
In diesem Sinne: vote on!
*http://www.ftd.de/politik/international/:Alle%20McCain/310762.html
**http://de.wikipedia.org/wiki/John_McCain#Positionen
Mittwoch, 30. Januar 2008
What the... 5 'links' und 1000 Fragezeichen
Eigentlich erklären sich die links (und ihre Qualitäten) ganz von selbst beim Draufklicken, Lesen, Stöbern. Aber, zugegeben, es ist eine wilde Mischung...
In Kürze werden noch weitere links rund um das Thema concertina/Konzertina hinzukommen. Leider gibt es nur wenige qualitativ und informativ hochwertige Seiten im Netz über ein (fast) vergessenes Instrument und seine wunderbare, abenteuerliche Geschichte (deren Aufschreiben mich im Übrigen die letzten 6 Monate gekostet hat). Ich habe meine (hoffentlich) in 5 Tagen abgegebene Magisterarbeit über dieses wundervolle Instrument geschrieben. Der Klang der Konzertina ist herrlich, die Spieltechnik heute fast einzigartig. Es gibt kaum noch Lehrer, kaum noch neues Notenmaterial und trotzdem: Die Konzertina zu spielen ist erlebte Geschichte und Genuss pur, ich spreche aus Erfahrung! Es lohnt sich also, mal zu stöbern und einer jener welcher zu werden, der nicht fragt: "Konzer..was??"
Ferner bin ich begeisterte bildblog.de - Leserin. Politische Information auf Grundlage dieses.. äh.. Quellengerüsts..(",) Hut ab!
Den link mit den drei "m´s" kann ich ebenfalls nur empfehlen. Kluge Gedanken einer klugen Frau!
Tja, der Ndr/daserste/Anne W.-link: die beste politische Talk-show im deutschen Fernsehen! Prime time, prime-woman, prime-prime! Schade nur, dass sie nicht selbst bloggt.
Und die blogspotterin... wunderschön + tolle Stimme + ein guter Schuss norddeutsch-fränkischer Humor ergibt...?!? Draufklicken, stöbern, zuhören, aaaber: Don´t touch!
In diesem Sinne...blog it!
