Freitag, 7. März 2008

Kommt, lasst uns streiken!

Meine Güte, muss das für ein Tag sein für alle Journalisten, Polittalker, Parteigenossen und Eisenbahner Deutschlands?!? Die Schlagzeilen überschlagen sich rund um SPD, GDL und co. und dennoch vermisse ich die eine, die wirkliche große Schlagzeile dieses Tages, die, die alle zusammenfasst und übertitelt. Wie etwa: "Was die Franzosen können, können wir auch! - Deutschland im Dauerstreik" oder "Stell dir vor es ist Streik - und alle machen mit".

In Berlin geht bereits jetzt kaum noch etwas. Die BVG streikt und so gut wie alle U-Bahnen, Tramen und Busse stehen still. Schon jetzt muss immer wieder die Polizei anrücken um die Menschenmassen zu beruhigen und ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie sich doch noch in die überfüllten Ersatzbusse quetschen können.

Wie vor wenigen Minuten berichtet wurde, sind die Verhandlungsgespräche der GDL mit Transnet und der GBDA geplatzt. Damit stehen die Chancen denkbar schlecht, dass es noch vor dem Beginn der angekündigten Streikwelle der Lokführer am Montag zu einer Einigung zwischen der Bahn und der GDL kommen wird.

Im öffentlichen Dienst wird kräftigt gestreikt und nun müssen gar Schlichter hinzugezogen werden. Sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen droht Verdi ab April mit massiven bundesweiten Streiks.

Und was ruft es aus der SPD? Streik der (hellrot-hessischen) Genossen! Ypsilanti am Ende! Beck in Erklärungsnot! Ojeoje....

Jahrelang haben wir ins dauerstreikende Frankreich geblickt und die aufständigen Massen in Paris, Marseille und Clermont-Ferrand mit zweierlei Augenmaß betrachtet: Kopfschüttelnd, lief es bei uns in Deutschland recht fluppig. Neidvoll, versuchten sich einige Gewerkschaften an Streikaufrufen und kaum ein Arbeitnehmer wollte sie, sei es aus angst um den Arbeitsplatz, Resignation oder Streikmüdigkeit, wirklich hören.

Deutschland war nie ein Streik-Land gewesen. "Uns geht es halt immer noch vergleichsweise zu gut" war da immer mal wieder zu hören. "Was sollen wir streiken, das bringt doch eh´ nichts" lautete ein weiteres Statement, warum es mit dem organisierten Streik einfach nicht recht klappen wollte. Während in Frankreich oder Italien zu Streikzeiten nichts mehr ging, bemerkten deutsche Verbraucher oder Kunden kaum auch nur den Hauch einer Streikbewegung. "Wir streiken!" - Ach ja?

Diese Haltung scheint sich in den letzten Wochen und Monaten zu verändern. Ein Ruck geht durch deutsche Arbeitnehmerverbände und Gewerkschaften. Was der Schell kann, können wir das nicht auch? Denn: Wird ein Weg gefunden, Wirtschaftszweige zu blockieren, weht es stürmisch in Politik und Wirtschaft. Druck entsteht, der Streik müsse abgewendet oder schnellstmöglich beigelegt werden. Die Deutschen bemerken: Streik bewegt. Man muss sich doch nicht alles bieten lassen. Gewerkschaften haben tatsächlich Sinn!

Im Falle von der Ypsilanti Andrea sägen streikende Parteigenossen am roten-roten Stuhl. Die SPD steckt mitten im Chaos und muss sich neu formieren. Welche Rolle die Linke dabei spielen wird bleibt abzuwarten, aber sie ist sicherlich einer der politischen Gewinner jener streikenden Partei, die nicht mit ihnen will aber nicht ohne sie kann..

Ich streike, du streikst, alle streiken? Na, das vielleicht noch nicht. Aber die stetigen Meldungen über streikende Firmen und Branchen werden sicherlich ein Umdenken in deutschen Betrieben bewirken. Kommt, lasst uns streiken!

In diesem Sinne, streik on!

1 Kommentar:

seleneos hat gesagt…

"Pack das rote Fahrrad ein, nimm dein kleines Rucksacklein und dann fahr'n wir durch die Stadt..."
Naja, so oder so ähnlich. ;)Das sind dann wohl die Momente in denen man froh ist, in ner Kleinstadt zu wohnen, ohne auf S- Bahn, Zug oder gar Bus angewiesen zu sein. Wozu hat man Füße?
Ich dank dir für deinen lieben Kommentar- deine Schreibkunst steckt halt an! :)
Ich drück dich!