Montag, 21. Juli 2008

"Jede Liebe hat recht."*

Die erste, die schlimmste Prüfung ist vorbei. Wie ich in den letzten Monaten über mich selbst erfahren habe, verfalle ich "danach" nicht in große Feierstimmung, renne nachts halbnackt durch die Straßen, im Vollrausch, und singe deutsche Schlager. Nein, ich stehe vor der dann verschlossenen Seminartür und denke: "Und das wars jetzt?!" Dann telefoniere ich hektisch, radle nach Hause, tanze einmal um mich selbst und esse Schokolade, wähend ich abschätzend meine Ornder in den Boden starre.

Nach der Prüfung am Mittwoch und dem Lern- und Arbeitspensum der vergangenen Wochen habe ich mir 4 Tage Zwangsulaub auferlegt. Keine Bücher, möglichst wenig Stress, die letzte Schicht am Freitag absolviert und dann rein ins Wochenende. Der Zeitpunkt dazu traf sich besonders gut, da meine Freundin und ich am Sonntag vor zwei Jahren zusammen gekommen sind und dies gemeinsam feiern wollten. Vor allem aber verlangte es uns nach einem Tapetenwechsel, raus hier, weg hier, einmal mit dem Finger auf die deutsche Landkarte getippt und ein kleines süßes Hotel in Frankfurt/Main gebucht. Samstag morgen, sieben Uhr gings endlich los.

Frankfurt, Frankfurt... eine Stadt wie so viele, laut, hektisch, dreckig, bunt, schwarz, multikulti und doch mit einem gewissen Etwas. Sie überrascht, diese Stadt, mit dem Mix aus Economy und Tradition, riesigen, verglasten, funkelnden Skycrapers, Banken, Chanels und Escadas auf der einen, winzigen Fachwerkhäusern,Stuckversaden, Putten und bedeutenden uralten Kirchen auf der anderen Seite. Man läuft durch eine Gasse und schaut links und schaut rechts und überbrückt mit einer Bewegung seines Kopfes fünf Jahrhunderte. Und es funktioniert. Die Frankfurter lieben ihre Stadt. Nicht so verbissen, wie die Bayern die ihren, sondern versteckt und leise und doch unübersehbar.

Neben Shoppingtouren, Stadtbesichtigungen, diversen Wolkenbrüchen, dem in Regenbogenfarben beflaggtem Römer, der Übernachtung in einem Himmelbetttraum und gutem Essen war der Samstagabend mein definitives Highlight und eines, was ich so schnell nicht vergessen werde. Inmitten der Innenstadt, auf dem Dach der Zeilgalerie, fand zum 19. CSD eine "women only" Party statt, wie es sie so schnell wohl nicht wieder geben wird. Riesige, geschwungene Räume mit orientalischen Lampen und langen, aus dunkelbraunem Holz gefertiggten Bars gingen, durch meterlange Glaswände gesäumt, ineinander über. An den Wänden hingen große Leinwände und vier DJs sorgten für Musik. Es gab Raucherlounges, Shots und kleine, mit orientalischen Sofas und Lampen bestückte Ruhezonen. Und dann war da noch die Treppe hinauf aufs Dach. Die frische Abendluft schlug einem entgegen und dann stand man mittendrin, im rauschenden Nachtleben Frankfurts, nur nicht im Tumult der Nachtschwärmer sondern 60m über der Erde. Die angestrahlten Skycrapers waren zum Greifen nahe, wie sie dort in den Himmel ragten, über ihnen die rasenden Wolken, um sie herum die leuchtenden Kirchen, Banken und Einkaufsmeilen. Ihr Anblick verschlug mit wirklich kurz die Sprache. Und zwar buchstäblich. Es gab eine riesige Dachterasse mit Bar und Tanzflächen und über allem wehte riesengroß und unermüdlich die Regenbogenflagge. Sie steht für sich selbst, sie spricht für sich selbst und all die verzückten Menschen an diesem Abend, in dieser Zeit, bilden nur ihr Fundament.

Noch heute morgen, als ich, längst wieder zurück gekehrt, aufwachte, galten meine ersten Gedanken dem Rausch der Bilder und Eindrücke, des vergangenen Wochnenendes. Frankfurt ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass auch in scheinbar so vertrauten Dingen immer noch etwas Unentdecktes darauf wartet, dass jemand kommt, es erblickt und mit sich mitnimmt. Und anderen davon erzählt.

*Die hessichen Grünen