Sonntag, 30. November 2008

... und dreht sich.

Manchmal ist das Leben wie ein Brummkreisel.

Außen zig bunte Bildchen, die so herrlich verschwimmen, wenn man den Kreisel bewegt. Innen graues reflektierendes Metall. Mehr nicht.

Er bewegt sich auf der Stelle und rast weiter und dreht sich und dreht sich und es scheint, er hört nie auf sich auf der immer gleichen Stelle zu bewegen. Manchmal rutscht er ein paar wenige Millimeter nach links, nach rechts, aber es verändert sich nichts dabei.

Hoffnung ergreift den lauernden Betrachter, er möge anhalten, der Kreisel. Oder etwas anders tun. Er kann sich doch nicht immer nur drehen und drehen auf der selben Stelle in den immer gleichen bunten Farben, so unecht, und dabei nichts weiter tun, als sich auf einer Stelle zu bewegen. Und sonst nichts.

Er muss doch mal hüpfen. Geräusche von sich geben, außer diesem Surren und Brummen. Aus der Laufbahn springen und die Richtung ändern. Oder einem neuen Kreisel platz machen. Immer leiser werden bis er aufhört sich zu drehen und vom Tisch fallen.

Doch dieser Kreisel tut dies nicht. Er dreht einfach immer weiter. Er bringt nichts neues hervor. Er dreht und dreht in ewiger Unermüdlichkeit. Außen flirrend bunt. Innen grau in grau vor Tristess und Traurigkeit ob dieser verschwendeten Energie.

Donnerstag, 6. November 2008

Und. Zurück.

Die Zeit vergeht und rennt und ist weit nach mir stehen geblieben.


Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke sehe ich nichts als ziehende Landschaften aus überfüllten Zügen. Höre nichts als das Rollen meines Koffers, weil ich ihn Tag für Tag hinter mir herzog. Ein Kollege fragte mich: „Triffst du in der U-Bahn eigentlich jeden Tag auf dieselben Menschen? Was denken sie, wenn sie dich mit deinem roten Koffer sehen, welche Geschichte vermuten sie dahinter.“ Ehrlich, ich habe keine Ahnung und keine Zeit gehabt, eine Ahnung zu bekommen. Ich fühle die Panik, nicht zu wissen, wo ich die nächste Woche schlafen soll. Sehe Hostels, die Wohnungen von Kollegen, Gastfamilien, Bekannten. Sehe mich nie die vier Pullover auspacken, die für jeweils eine Arbeitswoche reichen müsen. Habe nie gekocht. Bin an U-Bahnfahrplänen gescheitert. Bin hier und nirgendwo gewesen.
Das ewige ermüdende Reisen im großen Stil ist für mich und mein Bankkonto fürs Erste vorbei. Selbst wenn ich müsste, ich würde mich auf meinen Koffer setzen, aufs Gleis, die Arme verschränken und schmollen. Ich will nicht mehr fahren, ich weigere mich, Nein!


Manchmal drehe ich den Kopf und sehe mich sitzen auf meinem Bett und für die Prüfungen lernen. Sind es wirklich erst zwei Monate die vergangen sind, seitdem diese Last des Uniabschlusses von mir genommen und jenes Jobangebot mir auferlegt wurde. Nicht, dass ich es selbst als Last empfinde, aber die Umstände wogen manchmal schwer.


Ich habe Freunde viel zu lange nicht gesprochen, nicht gesehen. Hatte nie Zeit nach oben zu blicken und mich zu freuen über irgendwas oder irgendwen. Bin nur gestolpert zwischen Welten, der Alten, dem Abschied, der Neuen, so fremd.


Jetzt gibt es eine neue Wohnung. Eine neue Adresse, neue Nummern, zwanzig neu gedruckte Karten für alles und nichts. Bin wieder on line und on top. Habe wieder mein Bett und den richtigen Menschen darin und bin wieder warm und aufgehoben. Habe keine Ängste mehr vor der zurasenden Zukunft, alles scheint so geklärt und abgehakt. aber ich hinke immer noch etwas hinterher und muss erst mal schauen und muss erstmal fühlen und den Kopf heben und sehen. Wo bin ich? Habe ich alles noch da, nichts verloren?


Am Wochenende werde ich hoffentlich meine letzten Kisten auspacken. Nach den letzten Wochen kann ich die Worte Um und Zug nicht mehr hören. Will nur noch morgends in der S-Bahn sitzen und ein Buch lesen. Will nur noch auf Arbeit gehen mit einer leichten kleinen Tasche. Will abends nach Hause zu ihr oder in ein Café. Will Leute und die Umgebung kennen lernen. Will keinen Stress mehr und Ruhe, wenn ich sie will. Endlich scheint all dies nicht mehr nur ein Traum, weit entfernt. Es scheint so greifbar, dass ich fassungslos hineinblicke in diese neue alte Leben.