"Noch fünf E-Mails und zwei Powerpoint-Folien bis zum Boarding"*
---OHNE WORTE---
*http://www.ftd.de/karriere_management/rezensionen/:Wirtschaftsbücher
Donnerstag, 28. Februar 2008
Dienstag, 19. Februar 2008
Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten.
Ich war zu Besuch in einer kleinen 20.000 Einwohnerstadt in Oberfranken, im "Tor zur fränkischen Schweiz". Im Moment ist die Stadt dank der vielen dort aufgehängten Plakate ein wenig bunter, die wunderschöne, von Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen geschmückte Innenstadt dank vieler kleiner zusätzlicher Stände ein wenig beengter und überfüllter als üblich: Es ist Wahlkampf. Genau gesagt findet dort in wenigen Tagen eine Kommunalwahl statt.
Das gemütliche Flanieren durch die Geschäfte und Straßen fiel schwer, da sich ein Parteistand an den anderen reihte und vor und hinter jedem Stand ein Truppe Wahlkampfhelfer und "Listen-"Gesichter Flyer verteilte und Gespräche mit potentiellen Wählern suchten. In all dem Trubel um SDP und FDP und die Freien Wähler fiel mir ein Stand ins Auge: Der der "Republikaner". Allein der Parteiname ließ mich kurz stutzen; man kann sich meine ungläubige Miene vorstellen, als ich das Wahlplakat dieser Partei erblickte. Darauf stand in weißen Lettern: "Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten. Deshalb wählen Sie blau. Die Republikaner." Ich musste schlecht träumen. Das konnte doch nicht wahr sein! Mit offenem Mund stand ich davor und dachte bei mir, dass es doch unmöglich echt sein konnte, dieses Plakat. Der graumelierte Flyermann, der vor dem Stand auf und ab ging, um seine Programm vielen ahnungslosen Menschen in die Hand zu drücken, sah meine Verwunderung. Ich schüttelte lautstrak den Kopf und meinte wieder nur diesen einen Satz meiner Gedanken: "Das kann doch nicht wahr sein!". Darauf sah er mich ganz verdutzt an, und bot mir klugerweise keinen Flyer an. Klugerweise.
Doch es ist wahr. Und diese fremdenfeindliche Wahlparole um Indianer, Einwanderer und Reservate ist wahrlich nicht neu. Ein Blick ins Internet verriet mir mehr: Zuerst ist diese Parole wohl in Österreich aufgetaucht. Schon 2003 warb die niederösterreichische "Sozialistische Jugend" damit.* Und der österreichische "Ring Freiheitlicher Jugend" druckte und beklebte ein Jahr später unzählige Masten, Laternenpfähle und freie Flächen in den Gebieten um Salzburg, Wien und der Steiermark mit Aufklebern, auf denen dieser Spruch zu lesen war.**
Im September 2007 wurde von einer östereichischen Abgeordenten ein Entschließungsantrag eingebracht, der auf ausländerfeindliche Aktivitäten und Forderungen seitens des RFJ hinwies und die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend dazu aufforderte, an den RFJ gewährte Förderungen zurückzuordern und von weiteren Förderungen Abstand zu nehmen.***
2006 schwang auch in Deutschland ein bekannter Politiker große Reden über eine deutsche "Leitkultur", "Stolz" und "Indianer": Oberhäuptling und nun wohl ehemaliger 2. Mann der CDU hinter Frau Merkel: der hessische Quasiministerpräsident Roland Koch. Spiegel online zitierte Koch folgendermaßen: "Deutschland sei kein Einwanderungsland wie Amerika, wo von der ursprünglichen Kultur der Indianer 'nichts mehr übrig' sei. 'Man könnte einfach sagen: Wir sind mehr als die Indianer', schlussfolgerte Koch."**** Dabei bediente er sich näher dem Parteiprogramm der sächsischen NDP (und ihren östereichischen Freunden), als ihm vielleicht in diesem Moment bewusst war. Natürlich folgte Kochs Rede prompt eine scharfe Kritik seitens der hessischen Opposition. Sein Glück war allerdings, dass seine Rede kaum durch die Medien verbreitet wurde und nur wenige Menschen außerhalb Hessens etwas davon erfuhren.
Dass es neben links und Mitte auch noch ein Rechts gibt ist allgemein bekannt. Auch das jedem Menschen laut dem Grundgesetz freie Meinungsäußerung zugestanden wird. Und jedem meint jedem. Auch wenn sich Gruppen, denen die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Menschen gerne den Mund verbieten würde, zu bestimmten Themen äußern, die von ihnen besser unkommentiert blieben. Hier erschließt sich ein Konflikt: Freie Meinungsäußerung versus ausländerfeindliche Parolen. Und letzteres ist strafbar. Glücklicherweise.
Für die anstehenden Kommunalwahlen im "Tor zur fränkischen Schweiz" bleibt zu wünschen, dass möglichst wenige Menschen ihr Kreuzchen den "Blauen" geben. Und die Wahlplakte der Republikaner bald schon im Altpapier landen. Damit nach deren Recyclung wieder etwas wirklich nützliches darauf entstehen kann. Vielleicht eine weiße Taube. Oder schärfere Gesetzte gegen Diskriminierung, die auch im Alltag greifen.
In diesem Sinne: vote it out!
* http://www.wno.org/newpages/lch20.html
** http://no-racism.net/article/923/
*** http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIII/A/A_00367/fnameorig_087479.html
**** http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418605,00.html
Das gemütliche Flanieren durch die Geschäfte und Straßen fiel schwer, da sich ein Parteistand an den anderen reihte und vor und hinter jedem Stand ein Truppe Wahlkampfhelfer und "Listen-"Gesichter Flyer verteilte und Gespräche mit potentiellen Wählern suchten. In all dem Trubel um SDP und FDP und die Freien Wähler fiel mir ein Stand ins Auge: Der der "Republikaner". Allein der Parteiname ließ mich kurz stutzen; man kann sich meine ungläubige Miene vorstellen, als ich das Wahlplakat dieser Partei erblickte. Darauf stand in weißen Lettern: "Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten. Deshalb wählen Sie blau. Die Republikaner." Ich musste schlecht träumen. Das konnte doch nicht wahr sein! Mit offenem Mund stand ich davor und dachte bei mir, dass es doch unmöglich echt sein konnte, dieses Plakat. Der graumelierte Flyermann, der vor dem Stand auf und ab ging, um seine Programm vielen ahnungslosen Menschen in die Hand zu drücken, sah meine Verwunderung. Ich schüttelte lautstrak den Kopf und meinte wieder nur diesen einen Satz meiner Gedanken: "Das kann doch nicht wahr sein!". Darauf sah er mich ganz verdutzt an, und bot mir klugerweise keinen Flyer an. Klugerweise.
Doch es ist wahr. Und diese fremdenfeindliche Wahlparole um Indianer, Einwanderer und Reservate ist wahrlich nicht neu. Ein Blick ins Internet verriet mir mehr: Zuerst ist diese Parole wohl in Österreich aufgetaucht. Schon 2003 warb die niederösterreichische "Sozialistische Jugend" damit.* Und der österreichische "Ring Freiheitlicher Jugend" druckte und beklebte ein Jahr später unzählige Masten, Laternenpfähle und freie Flächen in den Gebieten um Salzburg, Wien und der Steiermark mit Aufklebern, auf denen dieser Spruch zu lesen war.**
Im September 2007 wurde von einer östereichischen Abgeordenten ein Entschließungsantrag eingebracht, der auf ausländerfeindliche Aktivitäten und Forderungen seitens des RFJ hinwies und die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend dazu aufforderte, an den RFJ gewährte Förderungen zurückzuordern und von weiteren Förderungen Abstand zu nehmen.***
2006 schwang auch in Deutschland ein bekannter Politiker große Reden über eine deutsche "Leitkultur", "Stolz" und "Indianer": Oberhäuptling und nun wohl ehemaliger 2. Mann der CDU hinter Frau Merkel: der hessische Quasiministerpräsident Roland Koch. Spiegel online zitierte Koch folgendermaßen: "Deutschland sei kein Einwanderungsland wie Amerika, wo von der ursprünglichen Kultur der Indianer 'nichts mehr übrig' sei. 'Man könnte einfach sagen: Wir sind mehr als die Indianer', schlussfolgerte Koch."**** Dabei bediente er sich näher dem Parteiprogramm der sächsischen NDP (und ihren östereichischen Freunden), als ihm vielleicht in diesem Moment bewusst war. Natürlich folgte Kochs Rede prompt eine scharfe Kritik seitens der hessischen Opposition. Sein Glück war allerdings, dass seine Rede kaum durch die Medien verbreitet wurde und nur wenige Menschen außerhalb Hessens etwas davon erfuhren.
Dass es neben links und Mitte auch noch ein Rechts gibt ist allgemein bekannt. Auch das jedem Menschen laut dem Grundgesetz freie Meinungsäußerung zugestanden wird. Und jedem meint jedem. Auch wenn sich Gruppen, denen die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Menschen gerne den Mund verbieten würde, zu bestimmten Themen äußern, die von ihnen besser unkommentiert blieben. Hier erschließt sich ein Konflikt: Freie Meinungsäußerung versus ausländerfeindliche Parolen. Und letzteres ist strafbar. Glücklicherweise.
Für die anstehenden Kommunalwahlen im "Tor zur fränkischen Schweiz" bleibt zu wünschen, dass möglichst wenige Menschen ihr Kreuzchen den "Blauen" geben. Und die Wahlplakte der Republikaner bald schon im Altpapier landen. Damit nach deren Recyclung wieder etwas wirklich nützliches darauf entstehen kann. Vielleicht eine weiße Taube. Oder schärfere Gesetzte gegen Diskriminierung, die auch im Alltag greifen.
In diesem Sinne: vote it out!
* http://www.wno.org/newpages/lch20.html
** http://no-racism.net/article/923/
*** http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIII/A/A_00367/fnameorig_087479.html
**** http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418605,00.html
Mittwoch, 6. Februar 2008
Post-Magisterarbeit
Ich kann es nicht glauben, doch ich hab mich gekniffen. Es muss also stimmen. Ich habe meine Magisterarbeit abgegeben! Mehr als ein halbes Jahr habe ich nun auf diesen Moment hingearbeitet - dass ich ins Prüfungsamt schlappe, meine Arbeit in doppelter Ausführung unter dem Arm, hinein ins Büro der netten Frau D. gehe und freudestrahlend, pfundweise erleichtert wieder hinaus tanze. In den Sonnenschein, in ein neues Leben.
Stattdessen war ich so müde und überarbeitet, dass ich mich mit Ach und Krach nach Hause geschleppt habe und nur noch ins Bett gefallen bin. Sonnenschein? Eher wolkenverhangen, mein Himmel, und träääge.
Tja, jetzt, wo ich den Post überarbeite, sind ein paar Tage vergangen seitdem (genauer gesagt 2) und was ist geschehen? Muss ich mich noch immer kneifen? Setzte ich mich instinktiv an den PC, schalte ihn an, nur um zu sehen, dass schon alles getippselt wurde? Keine Korrekturen? Keine Panikattacken mehr? Und bis zu den Prüfungen ist es auch "noch" ein halbes Jahr....
Ich habe mir nun also eine Liste erstellt. Soweit musste es kommen. Ich habe mir eine Liste erstellt. Und darauf geschrieben, wie ich meine, nun freie, Zeit in ferner Zukunft zu planen gedenke. Darauf stehen so leicht zu vergessende Sachen wie Jobsuchen. Bewerbungen schreiben. Aufräumen (schon abgehakt, puh...). Nach Berlin fahren und Freiheit schnuppern.... Braucht es dafür Worte? Und schon gar Listen? Wahrscheinlich wir die freie Zeit eh ganz schnell vorbei gehen!
Jetzt heißt es erst einmal, runter kommen und Schlaf nachholen. Und Konzertina spielen, denn über die Konzertina handelte meine Arbeit und so bleibt mir ein Teil jener erhalten. Hätte mich nicht im letzten Moment noch die Muse geküsst, wäre ich nie auf dieses wundervolle, vom Aussterben bedrohten Instrument gestoßen und hätte es sogar spielen gelernt.
Während also viele meiner Freunde ihre Arbeit einfach nur abgeben, sie nicht einmal ein eigenes Exemplar davon für sich selbst drucken lassen, streiche ich zärtlich über mein Instrument und freue mich. Über die Klänge, die es hervorbringt. Über die Liste, der es aus unerfindlichen Gründen bedurfte, um einen Geschmack meiner neuen Freiheit zu bekommen. Über den Sonnenschein.
In diesem Sinne, list on!
Stattdessen war ich so müde und überarbeitet, dass ich mich mit Ach und Krach nach Hause geschleppt habe und nur noch ins Bett gefallen bin. Sonnenschein? Eher wolkenverhangen, mein Himmel, und träääge.
Tja, jetzt, wo ich den Post überarbeite, sind ein paar Tage vergangen seitdem (genauer gesagt 2) und was ist geschehen? Muss ich mich noch immer kneifen? Setzte ich mich instinktiv an den PC, schalte ihn an, nur um zu sehen, dass schon alles getippselt wurde? Keine Korrekturen? Keine Panikattacken mehr? Und bis zu den Prüfungen ist es auch "noch" ein halbes Jahr....
Ich habe mir nun also eine Liste erstellt. Soweit musste es kommen. Ich habe mir eine Liste erstellt. Und darauf geschrieben, wie ich meine, nun freie, Zeit in ferner Zukunft zu planen gedenke. Darauf stehen so leicht zu vergessende Sachen wie Jobsuchen. Bewerbungen schreiben. Aufräumen (schon abgehakt, puh...). Nach Berlin fahren und Freiheit schnuppern.... Braucht es dafür Worte? Und schon gar Listen? Wahrscheinlich wir die freie Zeit eh ganz schnell vorbei gehen!
Jetzt heißt es erst einmal, runter kommen und Schlaf nachholen. Und Konzertina spielen, denn über die Konzertina handelte meine Arbeit und so bleibt mir ein Teil jener erhalten. Hätte mich nicht im letzten Moment noch die Muse geküsst, wäre ich nie auf dieses wundervolle, vom Aussterben bedrohten Instrument gestoßen und hätte es sogar spielen gelernt.
Während also viele meiner Freunde ihre Arbeit einfach nur abgeben, sie nicht einmal ein eigenes Exemplar davon für sich selbst drucken lassen, streiche ich zärtlich über mein Instrument und freue mich. Über die Klänge, die es hervorbringt. Über die Liste, der es aus unerfindlichen Gründen bedurfte, um einen Geschmack meiner neuen Freiheit zu bekommen. Über den Sonnenschein.
In diesem Sinne, list on!
Montag, 4. Februar 2008
Alaaf! Helau! ...Ääh... FRANKONIA!!
Tjaja so ist das: ein Samstagabend Anfang Februar in einer mittleren Stadt in Franken (der nördliche Teil Bayerns, nicht so wichtig) ... Das ewige Schreiben macht mürbe, die Presse schweigt, Roland Koch ist erkrankt und Anne Will kommt erst morgen... was tun?
Ach, es ist doch Faschingszeit, sicher gibt es doch eine Faschingsparty mit lustiger Musik, schunkelnden Menschen und endlich, eendlich kann man das vor 3 Jahren gekaufte und nie getragene Kostüm aus den Tiefen des Kleiderschranks ans Tageslicht zerren! Und tatsächlich!Helau! Alaaf! Wasauchimmer!
Als Zugereister merkt man schnell die kleinen Niedlichkeiten (Ober-)Frankens. Regel Nr. 1: 'Haste keine Feste, mach dir welche!' Deshalb wird (zumindest im Sommer) jedes Wochenende ein anderes Fest veranstaltet: Da gibt Marathone mit Blasmusik und Bierbänken, Straßenzirkusse mit Blasmusik und Bierbänken, Live-Übertragungen aller Sportivitäten mit Blasmusik und Bierbänken und natürlich hat jede Straße auch ihr ganz eigenes persönliches intimives Fest mit Blasmusik. Und Bierbänken.
Zur Faschingszeit ist das nicht anders. Nur ist es zu kalt für Bierbänke... Also werden an Faschingsdienstag einfach alle Läden der Innenstadt ab 12 Uhr geschlossen. In meinem ersten Jahr hier, flog ich deshalb auch schnurstraks aus einem großen Kaufhaus heraus. Ehe ich mich noch versah, stand ich auf der Straße ... um mich im nächsten Moment inmitten einer Horde toll gewordener Franken wiederzufinden. Die Biene Maja .. oder war das nicht die Drogeriefachangestellte? Den Teufel da kenn ich... mein Busfahrer!! Ja, so läuft das. Haste keine Feste...
Nach vierjähriger Verweigerung und dem Umzug vom Zentrum in den Norden der Stadt blieb mir also an diesem Samstagabend Anfang Februar in einer mittleren Stadt Frankens nichts anderes übrig, als den Fasching hier zu feiern, mich treiben und überzeugen zu lassen. Der Protest hatte ein Ende, ich war besiegt.
Im Hexenkostüm mit Schnürkorsett und aufgemalter Warze gings also rein ins Auto, raus aus der Tiefgarage und ab in die Kneipe, die heute keine Kneipe war. Stattdessen verlangte der Wirt Eintritt (ohoo! Ein Qualitätsmerkmal...oder eher Quantitätsangelegen... naja egal) und die Stühle und Tische mussten einer tanzwütigen Menge weichen. Kaum hatte man sich in die Mitte des Raumes durchgequetscht (und den Eintrittspreisschock überwunden) kam die große Überraschung: Es war Fasching und keiner war verkleidet! Ich war fast peinlich berührt... das Hexenkostüm.. das Schnürkorsett.. die aufgemalte Warze!! Alle starrten und ich war fassungslos! Und von wegen Schunkelmusik... Die einzige Zeit im Jahr, in der man die Musik DJ Ötzis und seiner Freunde gerne mitgrölt ist doch JETZT!?! Man WILL doch gerade solche Art von Musik hören (auch wenns natürlich keiner ausspricht)! Alle WOLLEN DOCH Polonaise, spärlich bekleidete Friseusen und Nelken im Knopfloch die nicht zum Hemd passen... Doch Fehlanzeige. Die Menge tanzte zu Blur und Wir-klingen-wie-Blur-und-sinds-doch-nicht und Wir-möchten-wie-Blur-klingen-doch-schaffens-einfach-nicht. Und ich mit meiner aufgemalten Warze...
Immerhin, der Abend war kurz doch hoch interessant. Denn sicherlich ist keinem, der dabei gewesen ist, auch nur irgendetwas komisch vorgekommen. Verrückt. ENTrückt. Nein, sicher nicht! Denn SO feiert man Fasching nun einmal in Franken. Mit Jeans und T-Shirt und Diskos die eigentlich Kneipen sind und Eintritt, der keinen Bedarf, und Blur. Ich habe es vorher einfach nicht besser gewusst. Deshalb bin ICH diejenige, der alles irgendwie komisch und verrückt vorkam. Ich hatte falsche Vorstellungen, falsche Erwartungen und es war höchste Zeit, damit aufzuräumen. Fasching ist kein Fest der Franken. Es gibt nicht einmal ein Wort, dass man hier schreit wie "Alaaf" in Köln oder "Helau" in Mainz. Es wurde adoptiert, so dass wildgewordene Horden morgen durch die Straßen strömen können und alle Geschäfte schließen und kein Bus mehr fahren wird. Fasching ist KEIN Fest der Franken! Doch leider weiß das die 10. Generation der Franken nicht mehr...
Deshalb bleibt ein Vorsatz: Nächstes Jahr gehts nach Kölle! Und daaannnn....
In diesem Sinne: Kamelle on!
Ach, es ist doch Faschingszeit, sicher gibt es doch eine Faschingsparty mit lustiger Musik, schunkelnden Menschen und endlich, eendlich kann man das vor 3 Jahren gekaufte und nie getragene Kostüm aus den Tiefen des Kleiderschranks ans Tageslicht zerren! Und tatsächlich!Helau! Alaaf! Wasauchimmer!
Als Zugereister merkt man schnell die kleinen Niedlichkeiten (Ober-)Frankens. Regel Nr. 1: 'Haste keine Feste, mach dir welche!' Deshalb wird (zumindest im Sommer) jedes Wochenende ein anderes Fest veranstaltet: Da gibt Marathone mit Blasmusik und Bierbänken, Straßenzirkusse mit Blasmusik und Bierbänken, Live-Übertragungen aller Sportivitäten mit Blasmusik und Bierbänken und natürlich hat jede Straße auch ihr ganz eigenes persönliches intimives Fest mit Blasmusik. Und Bierbänken.
Zur Faschingszeit ist das nicht anders. Nur ist es zu kalt für Bierbänke... Also werden an Faschingsdienstag einfach alle Läden der Innenstadt ab 12 Uhr geschlossen. In meinem ersten Jahr hier, flog ich deshalb auch schnurstraks aus einem großen Kaufhaus heraus. Ehe ich mich noch versah, stand ich auf der Straße ... um mich im nächsten Moment inmitten einer Horde toll gewordener Franken wiederzufinden. Die Biene Maja .. oder war das nicht die Drogeriefachangestellte? Den Teufel da kenn ich... mein Busfahrer!! Ja, so läuft das. Haste keine Feste...
Nach vierjähriger Verweigerung und dem Umzug vom Zentrum in den Norden der Stadt blieb mir also an diesem Samstagabend Anfang Februar in einer mittleren Stadt Frankens nichts anderes übrig, als den Fasching hier zu feiern, mich treiben und überzeugen zu lassen. Der Protest hatte ein Ende, ich war besiegt.
Im Hexenkostüm mit Schnürkorsett und aufgemalter Warze gings also rein ins Auto, raus aus der Tiefgarage und ab in die Kneipe, die heute keine Kneipe war. Stattdessen verlangte der Wirt Eintritt (ohoo! Ein Qualitätsmerkmal...oder eher Quantitätsangelegen... naja egal) und die Stühle und Tische mussten einer tanzwütigen Menge weichen. Kaum hatte man sich in die Mitte des Raumes durchgequetscht (und den Eintrittspreisschock überwunden) kam die große Überraschung: Es war Fasching und keiner war verkleidet! Ich war fast peinlich berührt... das Hexenkostüm.. das Schnürkorsett.. die aufgemalte Warze!! Alle starrten und ich war fassungslos! Und von wegen Schunkelmusik... Die einzige Zeit im Jahr, in der man die Musik DJ Ötzis und seiner Freunde gerne mitgrölt ist doch JETZT!?! Man WILL doch gerade solche Art von Musik hören (auch wenns natürlich keiner ausspricht)! Alle WOLLEN DOCH Polonaise, spärlich bekleidete Friseusen und Nelken im Knopfloch die nicht zum Hemd passen... Doch Fehlanzeige. Die Menge tanzte zu Blur und Wir-klingen-wie-Blur-und-sinds-doch-nicht und Wir-möchten-wie-Blur-klingen-doch-schaffens-einfach-nicht. Und ich mit meiner aufgemalten Warze...
Immerhin, der Abend war kurz doch hoch interessant. Denn sicherlich ist keinem, der dabei gewesen ist, auch nur irgendetwas komisch vorgekommen. Verrückt. ENTrückt. Nein, sicher nicht! Denn SO feiert man Fasching nun einmal in Franken. Mit Jeans und T-Shirt und Diskos die eigentlich Kneipen sind und Eintritt, der keinen Bedarf, und Blur. Ich habe es vorher einfach nicht besser gewusst. Deshalb bin ICH diejenige, der alles irgendwie komisch und verrückt vorkam. Ich hatte falsche Vorstellungen, falsche Erwartungen und es war höchste Zeit, damit aufzuräumen. Fasching ist kein Fest der Franken. Es gibt nicht einmal ein Wort, dass man hier schreit wie "Alaaf" in Köln oder "Helau" in Mainz. Es wurde adoptiert, so dass wildgewordene Horden morgen durch die Straßen strömen können und alle Geschäfte schließen und kein Bus mehr fahren wird. Fasching ist KEIN Fest der Franken! Doch leider weiß das die 10. Generation der Franken nicht mehr...
Deshalb bleibt ein Vorsatz: Nächstes Jahr gehts nach Kölle! Und daaannnn....
In diesem Sinne: Kamelle on!
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