Montag, 4. Februar 2008

Alaaf! Helau! ...Ääh... FRANKONIA!!

Tjaja so ist das: ein Samstagabend Anfang Februar in einer mittleren Stadt in Franken (der nördliche Teil Bayerns, nicht so wichtig) ... Das ewige Schreiben macht mürbe, die Presse schweigt, Roland Koch ist erkrankt und Anne Will kommt erst morgen... was tun?
Ach, es ist doch Faschingszeit, sicher gibt es doch eine Faschingsparty mit lustiger Musik, schunkelnden Menschen und endlich, eendlich kann man das vor 3 Jahren gekaufte und nie getragene Kostüm aus den Tiefen des Kleiderschranks ans Tageslicht zerren! Und tatsächlich!Helau! Alaaf! Wasauchimmer!

Als Zugereister merkt man schnell die kleinen Niedlichkeiten (Ober-)Frankens. Regel Nr. 1: 'Haste keine Feste, mach dir welche!' Deshalb wird (zumindest im Sommer) jedes Wochenende ein anderes Fest veranstaltet: Da gibt Marathone mit Blasmusik und Bierbänken, Straßenzirkusse mit Blasmusik und Bierbänken, Live-Übertragungen aller Sportivitäten mit Blasmusik und Bierbänken und natürlich hat jede Straße auch ihr ganz eigenes persönliches intimives Fest mit Blasmusik. Und Bierbänken.
Zur Faschingszeit ist das nicht anders. Nur ist es zu kalt für Bierbänke... Also werden an Faschingsdienstag einfach alle Läden der Innenstadt ab 12 Uhr geschlossen. In meinem ersten Jahr hier, flog ich deshalb auch schnurstraks aus einem großen Kaufhaus heraus. Ehe ich mich noch versah, stand ich auf der Straße ... um mich im nächsten Moment inmitten einer Horde toll gewordener Franken wiederzufinden. Die Biene Maja .. oder war das nicht die Drogeriefachangestellte? Den Teufel da kenn ich... mein Busfahrer!! Ja, so läuft das. Haste keine Feste...

Nach vierjähriger Verweigerung und dem Umzug vom Zentrum in den Norden der Stadt blieb mir also an diesem Samstagabend Anfang Februar in einer mittleren Stadt Frankens nichts anderes übrig, als den Fasching hier zu feiern, mich treiben und überzeugen zu lassen. Der Protest hatte ein Ende, ich war besiegt.

Im Hexenkostüm mit Schnürkorsett und aufgemalter Warze gings also rein ins Auto, raus aus der Tiefgarage und ab in die Kneipe, die heute keine Kneipe war. Stattdessen verlangte der Wirt Eintritt (ohoo! Ein Qualitätsmerkmal...oder eher Quantitätsangelegen... naja egal) und die Stühle und Tische mussten einer tanzwütigen Menge weichen. Kaum hatte man sich in die Mitte des Raumes durchgequetscht (und den Eintrittspreisschock überwunden) kam die große Überraschung: Es war Fasching und keiner war verkleidet! Ich war fast peinlich berührt... das Hexenkostüm.. das Schnürkorsett.. die aufgemalte Warze!! Alle starrten und ich war fassungslos! Und von wegen Schunkelmusik... Die einzige Zeit im Jahr, in der man die Musik DJ Ötzis und seiner Freunde gerne mitgrölt ist doch JETZT!?! Man WILL doch gerade solche Art von Musik hören (auch wenns natürlich keiner ausspricht)! Alle WOLLEN DOCH Polonaise, spärlich bekleidete Friseusen und Nelken im Knopfloch die nicht zum Hemd passen... Doch Fehlanzeige. Die Menge tanzte zu Blur und Wir-klingen-wie-Blur-und-sinds-doch-nicht und Wir-möchten-wie-Blur-klingen-doch-schaffens-einfach-nicht. Und ich mit meiner aufgemalten Warze...

Immerhin, der Abend war kurz doch hoch interessant. Denn sicherlich ist keinem, der dabei gewesen ist, auch nur irgendetwas komisch vorgekommen. Verrückt. ENTrückt. Nein, sicher nicht! Denn SO feiert man Fasching nun einmal in Franken. Mit Jeans und T-Shirt und Diskos die eigentlich Kneipen sind und Eintritt, der keinen Bedarf, und Blur. Ich habe es vorher einfach nicht besser gewusst. Deshalb bin ICH diejenige, der alles irgendwie komisch und verrückt vorkam. Ich hatte falsche Vorstellungen, falsche Erwartungen und es war höchste Zeit, damit aufzuräumen. Fasching ist kein Fest der Franken. Es gibt nicht einmal ein Wort, dass man hier schreit wie "Alaaf" in Köln oder "Helau" in Mainz. Es wurde adoptiert, so dass wildgewordene Horden morgen durch die Straßen strömen können und alle Geschäfte schließen und kein Bus mehr fahren wird. Fasching ist KEIN Fest der Franken! Doch leider weiß das die 10. Generation der Franken nicht mehr...
Deshalb bleibt ein Vorsatz: Nächstes Jahr gehts nach Kölle! Und daaannnn....

In diesem Sinne: Kamelle on!

2 Kommentare:

Hannahly hat gesagt…

Du hast das gekonnt beschrieben, richtig lebendig, hab fast das gefühl ich war dabei...moment ich war dabei...ich war die zweite verkleidete person...die frau mit dem drei-tage-bart! ;-) dein gegenstück zur warze!
Ich freue mich schon auf deinen nächsten lustigen und ehrlichen artikel über dein leben im schönen FRANGGN :o) In diesem Sinne <:o) HELAAAF oder so
Hannahly

seleneos hat gesagt…

hihi...das hört sich aber mal witzig an...schön nach den fettnäpfchen die man eigentlich so gut es geht zu umschiffen versucht...
Hauptsache es war dennoch witzig, was?
Ich drück dich, Süße!