Die Zeit vergeht und rennt und ist weit nach mir stehen geblieben.
Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke sehe ich nichts als ziehende Landschaften aus überfüllten Zügen. Höre nichts als das Rollen meines Koffers, weil ich ihn Tag für Tag hinter mir herzog. Ein Kollege fragte mich: „Triffst du in der U-Bahn eigentlich jeden Tag auf dieselben Menschen? Was denken sie, wenn sie dich mit deinem roten Koffer sehen, welche Geschichte vermuten sie dahinter.“ Ehrlich, ich habe keine Ahnung und keine Zeit gehabt, eine Ahnung zu bekommen. Ich fühle die Panik, nicht zu wissen, wo ich die nächste Woche schlafen soll. Sehe Hostels, die Wohnungen von Kollegen, Gastfamilien, Bekannten. Sehe mich nie die vier Pullover auspacken, die für jeweils eine Arbeitswoche reichen müsen. Habe nie gekocht. Bin an U-Bahnfahrplänen gescheitert. Bin hier und nirgendwo gewesen.
Das ewige ermüdende Reisen im großen Stil ist für mich und mein Bankkonto fürs Erste vorbei. Selbst wenn ich müsste, ich würde mich auf meinen Koffer setzen, aufs Gleis, die Arme verschränken und schmollen. Ich will nicht mehr fahren, ich weigere mich, Nein!
Manchmal drehe ich den Kopf und sehe mich sitzen auf meinem Bett und für die Prüfungen lernen. Sind es wirklich erst zwei Monate die vergangen sind, seitdem diese Last des Uniabschlusses von mir genommen und jenes Jobangebot mir auferlegt wurde. Nicht, dass ich es selbst als Last empfinde, aber die Umstände wogen manchmal schwer.
Ich habe Freunde viel zu lange nicht gesprochen, nicht gesehen. Hatte nie Zeit nach oben zu blicken und mich zu freuen über irgendwas oder irgendwen. Bin nur gestolpert zwischen Welten, der Alten, dem Abschied, der Neuen, so fremd.
Jetzt gibt es eine neue Wohnung. Eine neue Adresse, neue Nummern, zwanzig neu gedruckte Karten für alles und nichts. Bin wieder on line und on top. Habe wieder mein Bett und den richtigen Menschen darin und bin wieder warm und aufgehoben. Habe keine Ängste mehr vor der zurasenden Zukunft, alles scheint so geklärt und abgehakt. aber ich hinke immer noch etwas hinterher und muss erst mal schauen und muss erstmal fühlen und den Kopf heben und sehen. Wo bin ich? Habe ich alles noch da, nichts verloren?
Am Wochenende werde ich hoffentlich meine letzten Kisten auspacken. Nach den letzten Wochen kann ich die Worte Um und Zug nicht mehr hören. Will nur noch morgends in der S-Bahn sitzen und ein Buch lesen. Will nur noch auf Arbeit gehen mit einer leichten kleinen Tasche. Will abends nach Hause zu ihr oder in ein Café. Will Leute und die Umgebung kennen lernen. Will keinen Stress mehr und Ruhe, wenn ich sie will. Endlich scheint all dies nicht mehr nur ein Traum, weit entfernt. Es scheint so greifbar, dass ich fassungslos hineinblicke in diese neue alte Leben.
Donnerstag, 6. November 2008
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2 Kommentare:
Oh man, Süße...ich freu mich echt für dich, euch, das ihr das Grobe hinter euch gelassen habt!!!Um so gemeiner sowas zu lesen, wenn man selbst noch alles vor sich hat. Bin zwar eigentlich an dem We nicht geplant in Erfurt, aber wenn du mir Bescheid gibst, wann du da bist komm ich rüber gefahren.
Kuss
Hey...ich wünsche dir/euch echt alles nur erdenklich gute...das du endlich Ruhe finden kannst und ihr euch gut einleben werdet/euch "zu Hause" fühlt/Freunde findet und alles was ihr euch vorgenommen habt in eurem neuen Lebensabschnitt!!
Gruß
Ulli
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